Projektwoche zur Berufsfindung

Im Rahmen der Projektwoche wird in jedem Jahr ein Projekt zur Berufsfindung angeboten. Dabei werden über verschiedene Tests (u.a. Elemente des Hamet2-Tests) berufliche Fähigkeiten und Präferenzen ermittelt. Außerdem werden verschiedene Ausbildungsberufe vorgestellt und besprochen. Ausbildungsberufe in der Praxis erleben die Schüler/innen durch Betriebsbesuche, bei denen auch erste Kontakte für ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz geknüpft werden können. Die teilnehmenden SuS werden von den Klassenlehrer/-innen ausgewählt. Auswahlkriterien sind:

Vorhandener Ausbildungswunsch der SuS nach dem Schulabschluss ggf. mit noch unklaren Berufsvorstellungen

Eher schwache Haupt- oder Realschüler, die aber bereits eine hinreichende Ausbildungsreife zeigen aber noch keine klare Vorstellung über einen möglichen Ausbildungsberuf haben

 

Beratung zur Konkretisierung des Berufswunsches

Ausgelöst durch die Projektwoche zur Berufsfindung oder durch das Beratungsangebot der Agentur für Arbeit entsteht bei vielen Jugendlichen ein erhöhter individueller Beratungsbedarf. Dieser wird durch das Angebot der Agentur für Arbeit – und in Kooperation dazu unterstützt durch die KAUSA-Servicestelle Offenbach – gedeckt.

 

Berufsinformationstage

Bei den Berufsinformationstagen organisiert die KAUSA-Servicestelle für die Edith-Stein-Schule direkte Kontakte zwischen SuS und Ausbildungsbetrieben. Die Berufsinformationstage finden an der Schule statt. Eingeladen werden Ausbilder von Betrieben, die im folgenden Ausbildungsjahr Auszubildende einstellen. Die Betriebe erhalten die Gelegenheit sich selbst und ihre Ausbildungsaktivitäten zu präsentieren. Oft bringen sie auch eigene Auszubildende mit, die über ihre Erfahrungen berichten. Durch die Diskussion wird bei den SuS das Interesse für verschiedene Ausbildungsberufe geweckt.  Jedem Unternehmen steht ein Klassenraum zur Verfügung.

Die SuS wechseln in Kleingruppen ca. alle 20 Minuten den Raum, bis sie alle Betriebe und Berufe kennen gelernt haben. Die Jugendlichen haben zudem die Möglichkeit, ihre Bewerbungsunterlagen direkt bei den anwesenden Betrieben abzugeben. Im Schuljahr 2016 / 2017 fanden an der Edith-Stein-Schule zwei Berufsinformationstage (Oktober 2016 und Januar 2017)  statt. Anwesend waren 15 Firmen sowie Vertreter der IHK und der HWK. Teilgenommen haben alle SuS der Abgangsklassen.

 

AG Ausbildungstreff

Sehr viele unserer SuS haben einen Migrationshintergrund. Wenn sie sich auf eine Ausbildungsstelle bewerben, müssen sie in der Regel deutlich mehr Bewerbungen schreiben als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Dabei fehlt auch eine Unterstützung, die diesen Jugendlichen hilft, mit der Frustration bei den zahlreichen Absagen umzugehen. Auf die Hilfe ihrer Eltern können die SuS in der Regel nicht bauen, da diese die deutsche Sprache oft nicht ausreichend beherrschen. Wie ein Anschreiben und ein Lebenslauf aussehen sollten, lernen die Schüler/innen in der Schule, jedoch gibt es kein Angebot, dass sie dann bei der Formulierung zahlreicher Bewerbungen (ca. 30-40) incl. des Ausfüllens komplexer Online-Bewerbungsmasken unterstützt. Um diese Lücke zu schließen, hat die Edith-Stein-Schule in Kooperation mit der KAUSA-Servicestelle die AG Ausbildungstreff ins Leben gerufen.

 

Die AG wird an zwei Nachmittagen in den PC-Räumen der Schule angeboten. Die Teilnahme ist freiwillig. In Schuljahr 2016/2017 nehmen bisher ca. 30 SuS[1] an der AG teil. In der AG werden zunächst alle vorhandenen Informationen (z.B. freie Ausbildungsplätze, Berufswünsche), Materialien (z. B. vorhandene Lebensläufe, Anschreiben etc.) sowie Interessen (z. B. Wunschbetriebe über den Berufsinformationstag) gecheckt.

 

Auf dieser Basis wird dann für jeden SuS eine aussagekräftige und optisch professionelle Bewerbungsmappe erstellt. Parallel dazu lernen die SuS verschiedene Wege kennen, offene Ausbildungsplätze zu finden. Der Bewerbungsprozess startet mit der Erstellung eines aussagekräftigen auf eine Ausbildungsstelle bezogenes Anschreiben. Dieses wird als Ausgangsbasis für weitere Anschreiben genutzt. Dabei lernen die SuS, wie das Basisanschreiben auf andere Betriebe bzw. Ausbildungsberufe übertragen werden kann. Versendet werden die Bewerbungen i.d.R. über E-Mail. Im Anhang werden dabei immer das jeweilige Anschreiben sowie die Bewerbungsmappe verschickt. Dies bedeutet, dass alle SuS eine eigene Mail-Adresse anlegen und in der AG lernen, dass diese regelmäßig gecheckt werden muss. Sie lernen dabei auch Standardtexte kennen und nutzen, um ihre Mails professionell zu versenden bzw. zu beantworten.

 

Da in Offenbach die Anzahl ausbildungsplatzsuchender Jugendliche höher ist als die Anzahl der angebotenen Ausbildungsstellen (Gemäß dem aktuellen Ausbildungsstellenmarkt der Bundesagentur für Arbeit kamen im März 2017 auf 631 gemeldete Bewerber nur 460 gemeldete Ausbildungsstellen[2]). Auch aus diesem Grund müssen die Jugendlichen im Ausbildungstreff häufig mehr als 30-40 Bewerbungen verschicken, bis es mit einem Ausbildungsplatz klappt. Dies bedeutet auch, dass die Jugendlichen mit der Frustration von Absagen umgehen müssen. Hierbei ist es sehr hilfreich, dass die SuS mit ihren Frustrationserfahrungen in der AG nicht allein gelassen werden. Die Mitarbeiterinnen der KAUSA-Servicestelle helfen, die Absagen in einen passenden Kontext zu stellen – weg vom individuellen Versagen und hin zu einem Verständnis wie ein Auswahlprozess in Organisationen läuft. Außerdem erleben die Jugendlichen, dass es den anderen SuS ähnlich ergeht. Dies führt dazu, dass selbst nach 20 Absagen der Mut nicht verloren geht und weitere Bewerbungen verschickt werden. Als besonders schwierig werden online-Bewerbungsverfahren über die Ausbildungsportale großer Firmen erlebt. Hier hat jede Firma einen anderen Bewerbungsprozess, bei dem die Jugendlichen intensiv und individuell unterstützt werden müssen, um keinen Bewerbungsfehler zu machen.

 

Ebenfalls geübt werden in der AG Vorstellungsgespräche und Einstellungstests. Um die Mobilität der Jugendlichen für das Vorstellungsgespräch sicherzustellen, werden die verschiedenen Hilfsangebote der KAUSA-Servicestelle genutzt. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass die SuS zu Vorstellungsgesprächen begleitet werden, wenn diese außerhalb Offenbachs stattfinden. Außerdem gibt es praktische Hilfen zum Vertragsabschluss. Im Schuljahr 2016/2017 haben bisher ca. 30 SuS an der AG teilgenommen. Von diesen 30 SuS haben bisher 18 entweder eine feste mündliche Zusage für einen Ausbildungsplatz oder bereits einen Vertrag unterschrieben[3].

 

Die AG läuft noch bis zum Ende des Schuljahres 2016/2017. SuS, die eine Ausbildung gefunden haben, scheiden aus der AG aus und neue SuS kommen laufend dazu. Die KAUSA-Servicestelle wird eine genaue Auswertung der AG am Ende des Schuljahres durchführen. Eine erste anonym durchgeführte Befragung bei den teilnehmenden SuS zeigt ein hohes Interesse, einen Ausbildungsplatz zu finden. Einen ersten Überblick zur Motivation sowie der persönlichen Unterstützungsbedarfe wird durch die Ergebnisse der folgenden Feedbackfragen deutlich[4].

 

Auf die Frage: Welche Aussage stimmt, antworteten

 

94%: Durch die Bewerbungs-AG bin ich motiviert, mich zu bewerben.

94%: Nur durch die Bewerbungs-AG kann ich mich gezielt bei mehreren Arbeitgebern bewerben.

94%:Die Bewerbungs-AG hat mir sehr geholfen, meine Unterlagen richtig zusammenzustellen.

94%:In meiner Familie oder meinem Bekanntenkreis ist niemand, der mir beim Bewerben so intensiv helfen kann, wie die Mitarbeiter der KAUSA-Servicestelle.

88%:Durch die KAUSA-Servicestelle ist mir klargeworden, welche Ausbildungsmöglichkeiten für mich die Richtigen sind.

100%:Durch die Bewerbungs-AG werde ich auf Einstellungstests und Vorstellungsgespräche vorbereitet.

 

Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass sich weitaus mehr SuS  bewerben und eine Ausbildung aufnehmen wollen, wenn der Bewerbungsprozess intensiver begleitet wird. Dabei ist es wichtig, dass gemeinsam in der Gruppe Erfahrungen gesammelt und ausgetauscht werden, der Bewerbungsverlauf jedoch weiterhin individuell stattfindet. Individuelle Misserfolgserlebnisse und die Frustration nach den ersten Absagen werden so zusammen überwunden.

[1] Stand 30.04.2017

[2] https://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/201703/iiia5/ausb-ausbildungsstellenmarkt-mit-zkt/ausbildungsstellenmarkt-mit-zkt-06413-0-201703-pdf.pdf  [letzter Zugriff:20.04.2017]

[3] Stand 30.04.2017

[4] Auszug aus der Auswertung: Feedback zu Ausbildungstreff